Reden wir über das Gendersternchen

Ein gestrickter Stern mit süße Augen im Bücherregal.

Durch die Diskussion um die Sonderzeichen für das Gendern habe ich mir in der letzten Zeit einige Gedanken gemacht. Auch, wann ich es eigentlich verwende. Denn ja: Mir geht es schon lange nicht mehr um das Warum. Ich möchte alle Menschen ansprechen, am meisten jedoch die, die sich in der Sprache früher selten oder gar nicht angesprochen fühlten. In diesem Beitrag geht es mir also nur noch um das Wie. Darauf hatten nämlich verschiedene Dinge Einfluss. Unter anderem auch, welche Art von Text ich schreibe und für wen er gedacht ist.

Ein Für, kein Wider

Grundsätzlich liebe ich die Idee des Gendersternchens. Aus meiner IT-lastigen bibliothekarischen Sicht bedeutet ein * einfach “alles”. Es stammt aus einer Zeit, in der Suchmaschinen für das Internet noch nicht existierten, es aber bereits die dringende Notwendigkeit gab, Datenbanken nach diversen Inhalten zu durchsuchen. Bibliotheksmenschen waren schon immer sehr gut darin, Informationen zu strukturieren und so hat sich auch im bibliothekarischen Umfeld durchgesetzt, dass bei einer Suchanfrage auf ein * jede beliebige Anzahl eines ebenso beliebigen Zeichens folgen kann.
Dass mit “Autor*innen” also alle schreibenden Menschen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität angesprochen werden, war für mich demnach vollkommen logisch.

Diese Logik sehen aber leider nicht alle.
Laute Stimmen sprechen sich dagegen aus, manchmal weil es “die Sprache verschandelt” oder es Menschen gibt, die das beim Lesen stört. Dabei werden gerne Menschen mit Legasthenie vorgeschoben – was mich mit meinen Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten wiederum stört. Denn als Teil dieser Gruppe werde ich dazu instrumentalisiert, gegen etwas zu argumentieren, das ich als völlig richtig empfinde und das mir bei deutlicher Aussprache sogar hilft, zu wissen, wie das Wort geschrieben wird.

Und ja. Auch mir, mit vorwiegend internen Berufskontakten, kam im letzten Jahr sogar ein Mensch mit dem “Mimimi eines “Ich fühle mich aber nicht durch das Sternchen angesprochen!” mit einer Beschwerde. Gut. Soll er sich das Gefühl bewahren, denn dem gegenüber stehen die Menschen, die das endlich nicht mehr fühlen.

Neutral statt Sternchen

Die Verwendung eines Gendersternchens hängt am Ende aber davon ab, was ich für einen Text schreibe. Ich benutze es für meine Darstellung als Autorin. Denn die Geschichten, die ich schreibe, sollen divers und (dunkel)bunt sein und sie sollen im Idealfall ein wichtiges gesellschaftliches Thema beleuchten. Aber meine Geschichten selbst sollen ohne Sternchen auskommen. Stattdessen benutze ich neutrale Begriffe und Umschreibungen.

In meiner Fantasywelt funktioniert das gut. Es funktioniert auch ein drittes, neutrales Geschlecht, basierend auf einer Gottheit, die alles oder nichts sein kann. Entsprechend ist auch die Gesellschaft, in der die meisten meiner Geschichten spielen, und die Sprache in der Region deutlich offener.
Und ja: das ist gewöhnungsbedürftig. Sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Werde ich damit erfolgreich? Wahrscheinlich nicht. Aber es sind die Art von Geschichten, die ich selbst gerne lesen möchte. Ich möchte Geschichten mit Persönlichkeiten. Ich möchte Geschichten mit Charakteren, die nicht durch ihr Geschlecht definiert werden, sondern durch ihre Eigenschaften und Werte. Ein mir sehr wichtiger Mensch zitierte dazu etwas, das er auf YouTube zur Charakterentswicklung von weiblichen Figuren gesehen hatte: “Write a character, that just happens to be female.”
Und so möchte ich es bei allen Figuren und allen Geschlechtern halten.

Vielleicht habt ihr im Hinterkopf, dass nicht alle meine Geschichten in meiner Fantasywelt spielen. Wenn ihr euch meine Fingerübungen anschaut, findet ihr zum Beispiel auch eine Creepy Pasta (Wie alles begann und Wie alles endete). Auch diese habe ich neutral geschrieben. Sie ist aus der Ich-Perspektive und beinhaltet kaum eine geschlechtliche Anrede.
Auch das ist also möglich.

Fazit

Dazu gibt es nur eines: Gendersternchen und neutrale Formen? Ja, verwende ich. Weil es mir wichtig ist.

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