Was Menschen konsumieren, prägt sie auf die eine oder andere Weise. Deswegen wird im Bereich von Young-Adult-Büchern oft auf toxische Beziehungen hingewiesen und darüber diskutiert. Aber es gibt auch positive Prägungen, die Bücher vollbringen können. Also habe ich mir die Frage gestellt, was eigentlich aus den Büchern, die ich im Laufe meines Lebens gelesen habe, an positiven Eindrücken hängengeblieben ist. Denn trotz meiner Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten habe ich Lesen lieben gelernt und bevorzuge dabei gut geschriebene und nachvollziehbare Charaktere.
Und weil Pride Month ist, möchte ich den Fokus auf queere Beziehungen und Charaktere richten. Solltet ihr euch damit noch nicht auskennen, schaut doch gerne beim Queerlexikon vorbei. Dort findet ihr gebündelte und vor allem verständnliche Informationen zum Thema.
„Die Boroninsel“ und „Kinder der Nacht“ von Lena Falkenhagen
Jugendromane haben mich nie interessiert. Einmal davon abgesehen, dass ich vergleichsweise spät angefangen habe, viel zu lesen, bin ich nach einer kurzen Phase mit Umweltkrimis schnell bei richtiger Fantasy gelandet. Als Teenie fing ich also an, die Romane zur Rollenspielwelt “Das Schwarze Auge” zu lesen. Und ja, die kamen durchaus queer daher.
In Erinnerung geblieben sind mir die Bücher “Die Boroninsel” und “Kinder der Nacht” von Lena Falkenhagen. Der Protagonist Fion hat eine Beziehung zu dem Sohn eines Adeligen. Ich meine sogar, das war das erste Mal, dass mir in einem Buch ein schwules Pärchen begegnete. Und weil ich Fion als Charakter einfach mochte, fand ich es zwar erstmal etwas seltsam, am Ende war es mir aber egal. Und es ergab immerhin eine süß-tragische Liebesgeschichte als Nebenplot.
„Die letzte Rune“-Reihe von Mark Anthony
Die Reihe von Mark Anthony habe ich während meines Studiums und kurz nach meinem Abschluss gelesen. Und es ist eine von denen, bei denen ich mich sehr ärgere, sie nicht behalten zu haben, denn ich würde sie gerne mit meinem jetzigen Blick auf die Dinge noch einmal lesen.
Zwei Menschen von der Erde wechseln in eine andere Welt. Erstmal nichts Ungewöhnliches für den Einstieg in eine Fantasy-Reihe. Ich erinnere mich auch nicht mehr an den Plot oder was genau es für eine Fantasy-Welt war. Ich erinnere mich an Götter und Hexen und ein unbefriedigendes Ende. Vor allem aber erinnere ich mich an die beiden Hauptpersonen Grace und Travis.
Travis gesteht sich im Laufe der zwölf Bücher ein, dass er sich in einen Ritter aus der anderen Welt verliebt hat und dieser diese Liebe schon lange erwiderte. Grace war Ärztin, wird in der neuen Welt zur Hexe und war einfach immer mit allen ihr wichtigen Menschen nur befreundet. Eine Liebelei gab es in meiner Erinnerung bei ihr nicht. Mit meinen gut 20 Jahren Abstand würde ich behaupten, sie war ace.
Informationen zu der Reihe sind rar, aber alle Bücher auf englisch findet ihr bei Penguin Random House.
„Magic ex Libris“-Reihe von Jim C. Hines
Eine der jüngsten Entdeckungen für mich war die „Buchmagier-Reihe“ von Jim C. Hines. An Fantasybüchern, deren Hauptpersonen Bibliothekar*innen sind, kann ich immer sehr schlecht vorbeigehen. Und so war der erste Band ein Spontankauf. Gleich im ersten Buch kam eine Dreiecksbeziehung zustande, die dann im Rest der Reihe als polyamore Beziehung weitergeführt wird. Das ist die offensichtlichste Beziehung in dieser Hinsicht. Aber tatsächlich kamen bei all den Charakteren aus der ganzen Welt mehr Beziehungen abseits der Heteronormativität vor – und da ich die zweite Hälfte der Reihe auf englisch gelesen habe, schließe ich nicht aus, dass mir da irgendwas entgangen ist.
Angefangen habe ich mittlerweile auch die Princess-Reihe (auf Deutsch „Die Todesengel“). Auch dort gibt es eine queere Repräsentation bei den drei Protagonistinnen.
Wo bleibt die Geschlechtsidentität?
Woran ich mich in einem Buchkontext nicht erinnere, sind Menschen, die mit ihrem zugewiesenen Geschlecht nicht zufrieden waren. Alle Fantasywelten beziehen sich auf das übliche Mann-Frau-Denken, aber dass ein Charakter nicht in das Schema passte, scheint wenig oder nicht thematisiert worden zu sein – wobei ich allerdings nicht ausschließen möchte, dass ich es bei Jim C. Hines eventuell nicht begriffen habe.
Nun, ich finde, das ist etwas, das wir Fantasyautor*innen ändern sollten!
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