Ab und zu komme ich nicht umhin mir die Frage zu stellen: warum tauchen in Fantasy-Literatur eigentlich so oft Bibliothekare auf?
Warum ich mir gerade diese Frage stelle, dürfte klar sein. Ich bin Bibliothekarin und habe diesen Berufsweg ganz bewusst wegen der Bücher gewählt. Dass ich selbst nicht mehr viel mit Büchern zu tun habe, ändert nichts an den Gründen meiner damaligen Entscheidung.
Nun sind mir auch Zeit meines Lebens sehr oft Romane untergekommen, in denen Bibliothekare eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Es mag eine subjektive Sicht sein, wahrscheinlich neige ich dazu mir auch gerade solche Romane auszusuchen – wer will sich schließlich nicht mit den Figuren in einem Buch identifizieren können? Trotzdem stellt sich mir die Frage: Warum eigentlich Bibliothekare? Ist es, weil keiner so recht weiß, was wir da in den riesigen Gebäuden, die von Unmengen an Büchern nur so platzen, eigentlich den ganzen Tag treiben? Denn eines ist sicher: so viel Zeit nimmt das einsortieren von Büchern auch nicht in Anspruch.
Oft passiert es aber, dass genau das in den Romane vorkommt, neben einem magischen Aspekt von der Wahrung von Wissen und so weiter. Bibliothekare wissen immer alles oder wissen zumindest, in welchem Buch sie es gelesen haben. Weil Bibliothekare die Bücher lesen, sich überlegen, an welcher Stelle in der Bibliothek, sie stehen müssen und sie dann auch einräumen.
Nachdem ich mit dem letzten mutmaßlichen Scheibenweltroman etwas daneben gegriffen habe (zumindest was den Roman-Aspekt betrifft), habe ich mir im Anschluss gleich das nächste Buch mit einem Bibliothekar herausgesucht. Das Buch hatte ich schon vor einigen Wochen gekauft, auch spontan in der Bahnhofsbuchhandlung. Doch der Protagonist ist Bibliothekar und der Autor hat sich sogar die Mühe gemacht, ihm genau das ab Berufskenntnis mitzugeben, was so ein Bibliothekar heute wirklich braucht. Und ich finde es toll! Ähnlich habe ich das auch bei der Bibliothekarin in meinem letzten Pratchett-Buch gemerkt. Wenn so ein richtiger Bibliothekar in einem Roman vorkommt, glaubwürdig und kompetent, freue ich mich doppelt. Dreifach, wenn das Buch auch wirklich noch gut ist. Ein guter Bibliothekar muss nicht gleichbedeutend mit gutem Buch sein, aber als hartnäckige Leserin beiße ich mich besser durch, wenn zumindest ein guter Bibliothekar anwesend ist.
Irgendwo ganz tief in meinem Hirn steckt auch noch eine Bibliothekarin fest, die ich während meines Studiums erfunden, aber nie wirklich ausgearbeitet habe. Vielleicht sollte ich sie auch mal wieder hervorholen, den Staub abklopfen und mir einen richtig echten Bibliothekar im Rahmen meiner Fantasywelt machen 😉
Die am besten beschriebene Bibliothek, die dem, was wirklich so in (Universitäts)Bibliotheken abläuft, sehr nahe kommt, war übrigens die Universitätsbibliothek bei Patrick Rothfuss.

Ein Kommentar zu „Der Bibliothekar“