Der Ballsaal war erfüllt von Musik, Gelächter und Tändeleien. Alena lehnte die höfliche Tanzeinladung eines älteren Herrn ab und wandte sich stattdessen dem Balkon zu; sie musste hinaus, an die frische Luft. Nicht nur, weil sie es leid war, den anwesenden Damen und Herren Auskünfte über dies und jenes zu geben und dabei deutlich deren Desinteresse oder Hintergedanken zu sehen. Nein, sie war aus einem bestimmten Grund hier.
Sie ging auf den Balkon hinaus, hin zum Geländer und schaute in die Tiefe. Der Garten lag im Dunkeln, heute fanden alle Festlichkeiten im inneren des Herrenhauses statt. Die kalte Luft erinnerte sie an den Grund und doch waren die Bedingungen ideal. Außer einem weiteren Pärchen, blieben die Gäste lieber im warmen – und sie konnte den einzig nicht geladenen Gast sprechen. Langsam ging sie am Geländer entlang, dorthin, wo es mit der Mauer verschmolz und neben ihr nur noch das Dach und Türmchen aufragten. Dort wartete sie nicht lange. Eine Hand voll verdorrter Blätter rieselte zu ihr hinunter und sie schaute hinauf. Sein Gesicht konnte sie nicht sehen und auch er konnte im Dunkeln sicherlich nicht mehr, als ihr helles Gewand ausmachen. Im nächsten Moment kletterte er nah genug heran, dass sie mit ihm sprechen konnte, ohne die Stimme erheben zu müssen. Er blieb jedoch nicht mehr als ein Schatten auf dem Dach.
„Ist es Euch nicht zu kalt?“, fragte sie leise.
Seine Antwort war knapp. „Ihr kennt meinen Namen.“
Alena nickte und blickte zu der großen Glastür hin, durch die sie die Tanzgesellschaft beobachten konnte. „Ich sollte Euch vorwarnen, mein Auftrag für Euch ist dieses Mal etwas anders, als Ihr es gewohnt seid.“
„In wieweit?“ In seiner rauen Stimme spiegelte sich Überraschung wieder.
„Ihr werdet jemanden aus der Stadt bringen und als ihr Leibwächter bei ihr bleiben.“
„Ich soll eine Frau beschützen?“
„Eine Magierin“, bestätigte Alena seine Annahme und fuhr mit einer Hand über die falten ihres Kleides. „Sie wurde fälschlicherweise des Mordes angeklagt. Ich möchte, dass Ihr sie so lange unter Euren Schutz nehmt, bis sich diese Sache geklärt hat.“ Auch, wenn sie es nicht sehen konnte, ihr war klar, dass ihm der Auftrag missfiel. Er tat sich schwer im Umgang mit anderen Menschen.
„Und wenn ich nein sage?“
Alena lächelte. „Ich denke, Ihr werdet den Auftrag nicht ablehnen. Einen Teil Eurer Entlohnung findet Ihr unter den Dachsparten. Sämtliche Ausgaben, die Ihr als notwendig erachtet könnt Ihr davon begleichen. Die gleiche Summe und den Ausgleich der Unkosten erhaltet Ihr, wenn Nuora wieder unbehelligt die Stadt betreten kann.“
Sie vernahm ein Murmeln und meinte den Namen seiner Schutzbefohlenen zu vernehmen, Nuora. „Ich erwarte bis morgen früh eine Antwort. Ihr wisst, wie Ihr mich kontaktieren könnt.“ Damit ging sie wieder hinein. Alena wusste, er würde den Auftrag nicht ablehnen.
